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Reisebericht

Reisebericht von Herrn V.

Reisebericht, 25.1. – 3.2.2026
BHV – HH – NOK – Klaipeda – Riga – NOK – BHV
Generell: Erst einmal vielen Dank für die detaillierten Vorbereitungen und Briefing Docs von Agentur Pfeiffer und das fine-tuning der Reise durch Frau Pfeiffer und Frau Weber. Man weiß erst mal sehr gut, auf was man sich einstellen kann, was mitnehmen sollte, und natürlich, auf was man sich freuen kann.

1.Tag Boarding in Bremerhaven
Dank der sehr guten Beschreibungen von Ag. Pfeiffer und Google Maps ist es kein Problem, den Eingang zum Cargo Terminal in Bremerhaven und den Parkplatz für meinen Privat-PKW zu finden, das gebührenfreie Parken für die Reisedauer ist völlig unkritisch. Freundliche Terminalmitarbeiter schleusen einen zum Wartebereich für das Shuttle. Am Schiff, das dann erstmal schon sehr beeindruckend groß ist, obwohl noch viel größere Schiffe davor liegen, werde ich sehr freundlich von der „heavy gang“ in Empfang genommen, den Filipinos, die mir sofort meinen Koffer abnehmen und die sehr steile Gangway zum Wachhabenden, dem zweiten Offizier, hinauftragen. Wie in den Reiseunterlagen angekündigt, ist dieser mit den Hafenaktivitäten sehr beschäftigt und vertröstet mich auf später. Der freundliche Kollege von vorher trägt mir meinen Koffer die steilen Treppen hoch bis aufs 4. Deck zu meiner Kabine, die ich dann erst mal in Beschlag nehme, vielen, vielen Dank!
Die Kabine des inzwischen nicht mehr besetzten 3. Offiziers ist sehr geräumig, sehr zweckmäßig, größtenteils sauber, wenn auch zum Teil etwas „durchgesessen/abgewohnt“. Ich freue mich vor allem über die großen Fenster nach vorne und nach Backbord, schließlich will ich was sehen, auch gerne den Horizont, falls es turbulenter werden sollte. Was ich zu diesem Zeitpunkt vermisse, da es in der Beschreibung auf der Homepage erwähnt ist, ist TV und DVD, insbesondere, da ich bei der Auswahl meiner DVDs beim Packen noch extra Sorgfalt walten ließ.
Nach den ersten Verladearbeiten, die ich durch meine Fenster sehr gut beobachten kann und nach dem Studium der laminierten englischen und deutschen Einweisungsdokumente in der Kammer, die sich größtenteils entsprechen, gehe ich dann um 17.00 zum Abendessen, das wie Frühstück und Mittagessen warm und sehr reichhaltig ist. Der Koch, ist ein ausnehmend freundlicher und fröhlicher Filipino, der in der Küche auch gerne mal Soul, Blues oder Swing vor sich hinsingt.
Die fast ausschließlich ukrainischen Offiziere grüßen zwar formell, wirken aber noch etwas reserviert.
Mit einem Teil von Ihnen komme ich auf der Reise dann etwas intensiver ins Gespräch, mein Basic Russisch hilft hier ab und zu, das Eis zu brechen, zumal die Englischkenntnisse der Offiziere recht unterschiedlich sind, der Koch liegt da um Längen vorn. Die Offiziere kommunizieren untereinander auch ausschließlich auf Russisch. Die 1-2 eventuellen Passagiere sitzen bei den Mannschaften, an meinem Tisch sitzen noch zwei ukrainische Kadetten, der letzte Platz ist noch frei für meinen Schweizer Mitpassagier, der in Hamburg zusteigen soll.
Nach dem Abendessen starte ich dann erstmal einen Rundgang über die Außenbereiche, soweit sie mir ohne weitere Absprachen zugänglich sind. Das Steuerhaus ist im Prinzip ein 7–stöckiges Metallhochhaus, 25m Breit und etwa 7-8m tief in Längsrichtung. Das unterste Stockwerk ist das sogenannte „Poopdeck“, das Achterdeck, auf dem man sich während der Leinenmanöver und während der Zeit im Hafen grundsätzlich nicht aufhalten soll, hauptsächlich wegen der gespannten Taue und um laufende Arbeiten nicht zu behindern. Auf dem Poopdeck und dem darüber liegenden 1. Deck kommt man hinter dem Steuerhaus im Außenbereich an die Backbord- und die Steuerbordreling. Weiter oben geht das nur noch auf dem Brückendeck (Deck 6), hinter dem Schornstein vorbei. Nach oben kommt man entweder über die Außentreppe auf der Backbordseite oder über die Innentreppe im Steuerhaus. Jedes Stockwerk hat eine Tür zur Außentreppe, im Hafen sind die aber aus Sicherheitsgründen üblicherweise von innen verriegelt. Vor dem Steuerhaus sollte man sich im Hafen wegen der laufenden Ladearbeiten gar nicht bewegen, unterwegs ist das Deck bis zum Bug frei zugänglich, allerdings meldet man sich dafür auf der Brücke ab und bei Rückkehr wieder an. Immerhin liegen ja über 170m zwischen Bug und Heck, da ist man eine Zeitlang unterwegs.
Nach dem Auspacken und Einräumen verfolge ich die Ladearbeiten durch mein vorderes Fenster und schaue ich mir noch die Tafeln mit den Signalen und Richtlinien für Notfälle an, die an den Wänden hängen, alles von Feuer an Bord bis zu Piratenüberfällen ist abgedeckt. In der Kabine liegt außer Helm und Signalweste auch noch eine Schwimmweste und ein Überlebensanzug, den ich dann doch mal auspacke, um mir die wichtigsten Handgriffe zum Anziehen anzuschauen und sicherzustellen, dass ich keine Kindergröße erwischt habe.

2. Tag: Fahrt nach Hamburg
Ablegen um 5.12 morgens, die Weser und die Nordsee sind relativ ruhig, allerdings ist die Sicht recht schlecht. Um 10.00 geht es an Cuxhaven vorbei in die Elbmündung, an der Einfahrt zum Nord-Ostsee-Kanal in Brunsbüttel erst mal vorbei und über Blankenese und Finkenwerder zum Eurogate Container Terminal in HH-Waltershof (EGH), wo die ganz großen Containerschiffe liegen.
Während der Fahrt leiste ich dem 2. Offizier und später dem 1. Offizier auf der Brücke Gesellschaft oder bin draußen auf dem Brückendeck unterwegs, lediglich beim Anlegemanöver in Hamburg will der Kapitän auf der Brücke seine Ruhe haben, außen auf dem Brückendeck ist aber unkritisch.
Die Sicht, sowohl von der Brücke als auch aus meiner Kabine ist fast perfekt, da in Bremerhaven sehr viele Container ausgeladen wurden. Hoffentlich bleibt mein Bugfenster auch nach den Ladeaktivitäten in den vier (!) Hamburger Containerhäfen noch frei. Um 15.30 liegen wir fest in Waltershof und die Ent- und Beladeaktivitäten beginnen. Im Schnitt dauert der Zyklus für einen Container etwa 1½ min. Schon beeindruckend, wie präzise die Kranführer die Container mit dem großen Greifer packen und bewegen.

3. Tag: Ladeaktivitäten in Hamburg
Etwa um Mitternacht verlegen wir ans Container Terminal Burchardkai. Davon werde ich noch nicht richtig wach. Allerdings werden ca. um 1.30h die ersten Container aus der ersten Reihe direkt vor dem Steuerhaus entladen. Das bedeutet, dass der Kranführer jedes Mal die zwar freie, aber etwa 5 Tonnen schwere Containergreifzange in die jeweiligen vier Führungsschienen über den Containern einfädeln und nach unten auf den Container führen muss. Da zwei dieser vier Schienen mit der Bugwand des Steuerhauses verbunden sind, hört man das nicht nur sehr deutlich, man spürt die Stöße im Bett auch ganz deutlich. Gefühlt ist es wie im Führerhaus eines LKWs während des Be- und Entladens. Daher ist Zuschauen angesagt, bis diese Reihe durch ist und man wieder etwas ruhiger zum Schlafen kommt. Vergessen hatte ich zu sagen, dass das Terminal und das Schiff selbst natürlich taghell beleuchtet sind und die Fenster keine Rollläden, nur mäßig undurchlässige Vorhänge haben.
Um sechs Uhr morgens geht es dann in den dritten Containerhafen an das Terminal Tollerort. Bei schlechtem Wetter und ungünstiger Verkehrslage entscheide ich mich, heute an Bord zu bleiben, die Ladeaktivitäten zu verfolgen und kurz nach dem Mittag werden wir dann auch wieder verlegt, zum Container Terminal Altenwerder. In Altenwerder sind die Containertransporter vollautomatisch, auch das Stapeln auf den Containertürmchen läuft ohne Kranführer, nur in der Beladebrücke am Schiff sitzt noch ein menschlicher Operator. Hier wird auch das erste Mal eine der schweren Frachtraumluken abgehoben, um im Laderaum darunter Container zu ent- und beladen.
In Altenwerder kommt auch mein Reisegefährte – ein Schweizer Ruheständler vom südöstlichen Bodenseeufer – an Bord. Wir hatten vorher schon Kontakt über WhatsApp und Telefon bzgl. Abstimmung und Timing der Anreisen. Auch er ist Sportbootfahrer, allerdings unter Segel, mit Erfahrung nicht nur auf dem Bodensee, sondern auch in der Ostsee, uns werden unterwegs die Gesprächsthemen bestimmt nicht ausgehen.

4. Tag: Es geht los – Elbabwärts und durch den Nord-Ostsee-Kanal in die Ostsee
Vor dem Frühstück legen wir ab, vorbei am Airbus-Werk Finkenwerder mit seiner großen Landebahn geht es bei merklich kühleren Temperaturen durch die Schleuse Brunsbüttel in den Nord-Ostsee-Kanal (NOK).
Vor der Einfahrt in den NOK sehen wir ein Verarbeitungsschiff am neuen LNG Terminal. Mein Bruder, der das Einlaufen in den NOK per Webcam verfolgt, schickt mir die bei der Einfahrt in die Schleuse gemachten Aufnahmen in Brunsbüttel, dann geht es aber schnell wieder hinein ins Schiff, da Windstärke, Luftfeuchtigkeit und Temperatur unangenehme Bedingungen schaffen. Die Schwimmstege für die Sportboote sehen heute auch sowas von gar nicht einladend aus.
Im NOK können wir heute mal in Ruhe unter den Containern hindurch zum 170 m entfernten Bug wandern, natürlich nur nach Abmeldung beim Kapitän und mit Warnweste.
Da wir nicht voll beladen sind, schaut der obere Teil des Vorstevens noch aus dem Wasser, nur Vorsicht, dass das Handy beim Foto durch die Klüse nicht ins Wasser fällt. Danach sind wir noch ein paar Stunden auf der Brücke, interessant, was der Lotse (der in der Mitte des Kanals aussteigt und durch einen anderen ersetzt wird) und die beiden lokalen Kanalsteuerleute (die unser Schiff im Schichtbetrieb durch den ganzen Kanal steuern) zu erzählen haben. Auch unsere Offiziere sind momentan etwas entspannter, da Lotse und lokale Steuerleute übernommen haben.
Während der weiteren Fahrt lese ich mir alle an der Wand hängenden Anweisungen für das Verhalten bei Brand, Kollision, Man-over-Board, Verlassen des Schiffs etc. durch. Auch als Passagier gibt es genaue Regeln, Anweisungen und dress codes zu befolgen. Um etwa 22.00 passieren wir die östliche Schleuse bei Kiel und fahren durch die Kieler Förde hinaus auf die Ostsee.

5. Tag: See-Tag und was der Gleichgewichtssinn davon hält . . .
Bereits vor dem Aufstehen wird der Unterschied zu einem Kreuzfahrer oder einer Personenfähre deutlich. Das Schiff hat keinerlei aktive Stabilisatoren-Systeme wie verstellbare Flossen oder flinke Ballastpumpen. Obwohl die See mäßig bewegt ist, rollt das Schiff doch zum Teil kräftig um die Längsachse, was man auf meinem 4. Deck in über 20m Höhe über der Wasserlinie doch deutlich mitbekommt. Dazu kommen noch unerwartete Verzögerungen, wenn der Bug in Wellentäler einfährt.
Beides macht das Duschen und Ankleiden heute Morgen etwas spannender. Auch bin ich froh, dass ich in meiner Kabine nach vorne auf den Horizont schauen kann.
Der Weg in die Messe und das Frühstück ohne Blick nach draußen sind heute schon etwas gewöhnungsbedürftig und ich gehe wieder zügig nach oben. Von der Brücke aus sehen wir die verschneite Nordspitze Bornholms und regen Schiffsverkehr auf der Ostsee. Draußen ist es allerdings extrem ungemütlich und das Deck zum Teil spiegelglatt.

6. Tag: Ankunft in Klaipeda, Stadtbesichtigung und Abfahrt nach Riga
Bereits kurz nach vier Uhr morgens sind wir in der größten Hafenstadt Litauens, Klaipeda, angekommen. Um diese Uhrzeit liegen die Temperaturen bei etwa -20°C mit später zu erwartenden Höchsttemperaturen von -15°C. Mein Mitpassagier und ich melden uns nach dem Frühstück auf dem Schiff ab, die voraussichtliche Abfahrt soll 14.30h sein, der 1. Offizier, oder „chief mate“, wie er hier an Bord heißt, weist uns aber darauf hin, dass eventuell zwei Beladebrücken eingesetzt werden und dann auch schon um 12.00h Lade-Ende und kurz danach Abfahrt wäre – natürlich unabhängig davon, ob wir schon wieder zurück sind. Wir versprechen, in telefonischem Kontakt zu bleiben, wollen uns aber einen kurzen Ausflug in die Innenstadt nicht nehmen lassen.
Zum Ausgang des Containerterminals geht es ca. 1km zu Fuß, allerdings sind die Fahrspuren derart vereist, dass ich erstmal spontan in den Liegestütz gehe. Fotografieren ist hier streng verboten. Am Tor wird uns freundlich weitergeholfen, nachdem wir unsere Pässe und die vom chief mate erstellte, aktuelle Crew-Liste vorzeigen. Wir können ein Taxi organisieren und sind 30 min. später bei schönstem Wetter in der Innenstadt, wo allerdings fast niemand auf den Straßen ist.
Nach ausgedehnter Betrachtung der Altstadt stellen wir fest, dass meine warmen Klamotten aus der Russlandzeit doch wärmer halten als Daniels Klamotten vom Bodensee, daher entscheiden wir uns für einen Indoor-Kaffee. Ein Anruf auf der Judith bestätigt, dass die Abfahrt 12.30h noch möglich sein könnte, daher machen wir uns mit dem gleichen Taxifahrer von heute Morgen auf den Rückweg.
Abgelegt wird dann doch 14.30h durch die vereiste Bucht vor Klaipeda mit einem schönen Blick auf die kurische Nehrung. Ich schaue mir das ganz vorne vom Bug aus an. Da man vorne nichts von der Maschine hört, gleiten wir quasi lautlos in den Sonnenuntergang, man hört nur ab und zu das Eis. Ein wunderschönes Erlebnis. Da stört es auch nicht zu sehr, dass mir jedes Mal die rechte Hand fast abfriert, wenn ich ein Foto mit dem Handy mache.
Von der leichten Seekrankheit gestern ist heute nichts mehr zu spüren, ich genieße Fahrt durch die Nacht Richtung Riga.

7. Tag: Ankunft und Besichtigung Riga
Morgens etwa um 10.00 Uhr laufen wir in Riga ein. Eigentlich wollten wir schnell von Bord, um die Stadt anzuschauen, das scheitert aber am Besuch eines freundlichen Pärchens vom Zoll, das auch noch einen neugierigen Drogenhund mitbringt. Natürlich sind die Zöllnerin und Ihr Hund vor allem an den Kabinen der Passagiere interessiert; bis die Papiere dann freigegeben sind, ist es Mittag und wir lassen uns noch mal von Miquel in der Messe verwöhnen.
Der Aufbruch in die Stadt gestaltet sich dann etwas schwierig, da wir nach ca. 30min Fußmarsch durchs vereiste Terminal durch die Sperre durch sind, aber der über Internet bestellte Taxifahrer partout nicht zu unserem Standort durchkommt. Bei Temperaturen um -25° sind selbst kurze Telefonate ohne Handschuh immer schwieriger. An einer Bildschirmkopie des Standortes scheitere ich fast mit meinen steifen Fingern. Nachdem wir von einem zufällig auftauchenden Security-Mitarbeiter lernen, dass wir noch eine weitere Kontrolle in knapp 1km Entfernung passieren müssen, finden wir endlich unseren freundlichen Taxifahrer. Allerdings macht diese äußere Sperre heute am Sonntag um 20.00h dicht, bis dahin müssen wir zurück sein. Riga ist dann aber eine tolle, beeindruckende Stadt und wir sind uns einig, irgendwann mal zurückzukommen, vielleicht auch, wenn es etwas wärmer ist.
Mit unserem freundlichen Taxifahrer, den wir wieder telefonisch erreichen, schaffen wir es pünktlich vor 20 Uhr an die Sperre des Terminals. Das Schiff wird natürlich durch die ganze Nacht beladen.

8. Tag: Safety Briefing und zurück auf die Ostsee
Das Briefing mit den Rettungsbooten war eigentlich schon für gestern angesetzt, der freundliche zweite Offizier hatte es unserer Städtetour zuliebe auf heute verschoben. Mein Mitpassagier und ich lernen, wie wir ins Freifallboot kommen, wie es bedient wird (gar kein großer Unterschied zu unseren Sportbooten) und wie man den Freifall am besten übersteht. Es gibt keine vordefinierte Sitzordnung und jeder sollte alles bedienen können.
Selbst beim Briefing ist es saukalt und wir sind uns einig, dass wir das Ausbooten bei diesen Bedingungen unter allen Umständen vermeiden wollen. Aber wenn schon, dann lieber mit dem geschlossenen Freifallboot als mit dem offenen Rettungsboot.
Nach dem Ablegen gibt es ein Problem mit der Hauptmaschine, nach einer Runde im Hafen – untertatkräftiger Mithilfe der Schlepper gegen das Eis – legen wir erstmal wieder an.
Ich checke schon mal sicherheitshalber den Flugplan von Baltic Air aus Riga (vermutlich schlechte Angewohnheiten aus der beruflichen Lebensphase), aber ein paar Stunden danach legen wir dann doch wieder ab und beginnen eine weitere, mystische Fahrt durch die gefrorene Ostsee bei Vollmond.

9. Tag: See-Tag mit Besuch im Maschinenraum
Auch heute rollt das Schiff ganz schön, wohl mehr durch die Böen des starken Ostwinds als durch den Seegang, wir haben uns aber viel schneller daran gewöhnt als auf der Hinreise. Der Chief Engineer hatte uns versprochen, den Maschinenraum zu zeigen.
Eigentlich sollte das im Hafen passieren, die Verständigung ist bei Betrieb der Hauptmaschine doch deutlich schwieriger, obwohl sein Englisch etwas besser ist als mein schlechtes Russisch. Der Maschinenraum ist tip-top in Schuss und sehr gepflegt, Kompliment!
Beeindruckend sind die vielen zusätzlichen Aggregate wie Meerwasserentsalzung für Brauchwasser, Aufbereitungsanlage für das Abwasser, Heizungen für Kabinen und Container und vieles mehr. Der leitende Ingenieur ist auch zusätzlich so was wie der Hausmeister an Bord. Mit Handy-GPS und mitgebrachter Seekarte lässt sich der Kurs auch in der Kabine gut mitverfolgen.

10. Tag: Ein langer Tag von der Ostsee bis Hude
Vor dem Frühstück passieren wir um 6.00h Kiel-Holtenau und zum Sonnenaufgang sind wir schon längst im NOK. Mit dem steifen Ostwind letzte Nacht liefen wir fast durchgehend 18 Knoten und mehr. Im NOK sind wieder unterschiedlichste Schiffe unterwegs. Wir fragen uns, was der italienische Ro-Ro- Frachter wohl so mitnimmt, eventuell Windkraft-Elemente?
Die weitere Planung ist zunehmend spannend, da wir 22.00h in BHV ankommen sollen und – wie per Katwarn informiert – später in der Nacht und am nächsten Vormittag Eisregen die Rückfahrt von Bremerhaven nach Hude etwas schwierig machen soll.
Das Schleusen in Brunsbüttel geht heute gefühlt sehr schnell, der Höhenunterschiede und damit die Dauer der Schleusung hängt von der aktuellen Tide in der Elbe ab, der Wasserstand im NOK ist relativ konstant.
Und schon fahren wir auf der Elbe Richtung Cuxhaven und Nordsee. Um in die Weser zu gelangen, müssen wir einen großen Bogen bis fast nach Helgoland fahren, da wir mit 9.50 m Tiefgang nicht durchs Watt abkürzen können.
Unterwegs kommen wir an der Einfahrt zum Hadelner Kanal vorbei, den wir selbst als Verbindung zur Weser schon viermal mit unserer „Katharina“ benutzt haben, Einfahrt nur bei Hochwasser.
Leider hat sich die Ankunft in BHV jetzt wegen Gegenwind und –strömung in der Weser verzögert, wir legen erst gegen 22.30h an. Der Eisregen soll von Süden her um 24.00 in Hude sein, es wird spannend.
Nach dem Anlegen dauert es noch etwas, bis die Zöllner ankommen, so dass ich wieder in die EU einreisen kann. Allerdings sind sie über die Glättewarnungen informiert und winken mich auf Nachfrage sofort durch, ich kann an Land (nochmals Dankeschön!). Hier treffe ich einen freundlichem Lademanager, der aus Oldenburg kommt, er ruft per Funk gleich noch ein Shuttle mit Priorität, damit ich aus dem Eurogate Terminal schnell zum Parkplatz komme – die Logistik ist hier doch etwas anders als in Klaipeda und Riga.
Trotzdem bleiben mir noch ein paar Minuten, um mich von dem Schiff zu verabschieden – es waren tolle zehn Tage mit sehr vielen neuen Erfahrungen. Ich kann mir gut vorstellen, eine ähnliche Reise nochmal zu machen, vielleicht auch mal bei etwas freundlicheren Temperaturen.
Dem Auto ist anzumerken, dass es zehn Tage bei Minusgraden im Freien auf mich gewartet hat. Kurz vor Mitternacht fahre ich los, gebe ordentlich Gas und komme um 1.00 in Hude an, fünfzehn Minuten später beginnt der Eisregen.