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Reisebericht

Reisebericht von Herrn M.

Noch einmal eine Seereise machen (aber richtig)

Tag 1, Donnerstag, 3.09.2026

Um 5:00 Uhr aufgestanden, damit ich den Zug nach Rotterdam um ½ 7 Uhr rechtzeitig erreiche.
Hat alles geklappt, 2 x umgestiegen und kaum hat man sich hingesetzt ist man bereits um 15:00 Uhr in Rotterdam.
In Rotterdam angekommen, habe ich mein Hotel gesucht. Das ist ja heute mit Navi auf dem Smartphone eine feine Sache. Ich habe das Hotel Breitner in der Breitnerstraat auch gleich gefunden. (sehr freundlich, sauber und klasse Frühstück)
Danach war ich erstmal spazieren und habe mir die nähere Umgebung etwas angesehen.
Heute bin ich dann früh ins Bett.
Vorher habe ich noch mit den Leuten von „driving4U“ den Abholtermin vereinbart.
Denn man darf nicht alleine in das Containerterminal und muss vorher noch zur „Immigration“.

Tag 2 Freitag, 4.09.2026

Heute Nachmittag um 16:00 Uhr darf ich an Bord. Also noch etwas Zeit Rotterdam kennen zu lernen. Ich habe eine Hafenrundfahrt gemacht. Zufällig hat die Marine im Hafen ein Manöver abgehalten. SPEKTAKULÄR, mit Hubschrauber Wasserscooter und Schnellbooten, das war wie bei Dreharbeiten zu einem Actionfilm.
Um 15:00 Uhr hat mich der Fahrer von D4U zuerst zur Immigration und in den Containerhafen gebracht und ich bin aufs Schiff. Dort wurde ich gleich freundlich empfangen. Unser Kapitän ist Rumäne und die Mannschaft besteht hauptsächlich aus Philippinos. Ich bin schon gespannt auf das Kennenlernen der restlichen Crew.
So, „Kapitänsdinner“ ist zu Ende (Hähnchenschenkel, Kartoffelbrei und Salat). Ich habe mich mit dem Kapitän unterhalten und erfahren, warum es auf dem Schiff so ruhig ist. Heute wird im Rotterdamer Hafen gestreikt, so ein Mist.
Ja es ist wie es ist, jetzt haben wir ca. 12 Std. Verspätung, mal sehen, wie es weitergeht. Ich gehe jetzt erstmal auf die Brücke. Der Kapitän meinte ich darf jeder Tages- und Nachtzeit auf die Brücke, es sei denn ein Lotse ist an Bord.

Tag 3 Samstag, 5.09.2026

Es ist 4:00 Uhr morgens. Endlich beladen. Ich wurde durch das Vibrieren der Maschine geweckt. Jetzt geht es, wenn auch mit Verspätung, los. Es ist noch Nacht. Rotterdam auf Wiedersehen. Beim Auslaufen war ich auf der Brücke.
Ich bin danach nochmal in die Koje. Das monotone Geräusch der Maschine und das Schaukeln des Schiffes ließ mich gleich wieder einschlafen. (ich liebe es)
Jetzt ist es 8:00 Uhr, Zeit für Frühstück. Danach war ich mit dem Kapitän auf Ruderwache.
Die AIDA COSMA ist uns entgegengekommen. Heute ist ganz schön Seegang, aber mir gefällt das. 11:00 Uhr das Wetter ist schön, windig aber Sonne. Ich war an Deck. Das ist halt anders als auf der MEINSCHIFF hier sitzt man eben auf der Treppe oder auf einem Poller (geht auch).
Es ist echt viel Verkehr hier im Ärmelkanal. Emile meint es wird besser, wenn wir Kurs Nord setzen. Ich stelle fest, das mit dem Seegang stört mich nicht, ich habe bereits „See Beine“ bekommen. Immer wieder werde ich von der Crew gefragt, ob es mir gut geht. Denn es schaukelt halt doch einigermaßen heftig. Ich habe ihnen dann halt erzählt, dass ich als junger Mann schon zur See gefahren bin. Jetzt sind sie alle begeistert.
Waren jetzt Mittagessen, das Essen wäre je ganz gut gewesen (Rinderbraten, mit Rösti und Blaukraut) aber es war kalt (fast).
Da die Anderen das auch gegessen haben, und keiner hat geknurrt, habe ich halt auch nichts gesagt.
Jedenfalls bin ich satt geworden.
Vor uns fährt ein Hochseeschlepper. Leider ist der zum Fotografieren zu weit weg. Mit dem Fernglas kann man jetzt an Steuerbord die englische Küste sehen. (the white cliffs of Dover)
Lustig, lustig …. Ich wollte mir gerade einen Kaffee holen, da meinte der 1.Offizier er müsse erst die Kaffeemaschine reinigen, und das dauert 2 Std. …hallooooo???
Die Mannschaft ist zwar lieb und nett, aber mir scheint, dass das doch eine rechte Hustentruppe ist. Der Kapitän rollt auch immer mit den Augen, wenn er jemandem sagt, was der tun soll.
An Backbord sieht man jetzt Calais und Steuerbord Dover, die Sonne scheint und die See hat sich beruhigt. Was will man mehr.
Eben waren wir so nah an der englischen Küste, dass ich sogar Handyempfang hatte.
Höre gerade „Unheilig, Große Freiheit“, passt.

Tag 4 Sonntag, 6.09.2026

Es ist 6:00 Uhr morgens. Ich kann es immer noch nicht glauben, aber wir haben, wenn auch nur sporadisch, Handynetz.
Das Schiff stampft brav durch die See (18 kn), wir haben gutes Wetter. Sonne, 17°C Grad, mäßiger Wind, leichter Seegang.
Ich geh mal auf die Brücke, es ist ja noch finster draußen.
War bis Sonnenaufgang auf der Brücke, jetzt habe ich gefrühstückt und muss aber wieder in die Koje. Es ist zu früh.
Wir sind um Lands End, das ist die südöstliche Spitze Englands, rum und haben Kurs Null gesetzt, also genau nach Norden.
Heute gibt es Spaghetti zu Mittag, da geh ich jetzt mal hin.
— Hab mich tatsächlich getäuscht, nix Spaghetti.
Es gab Rindersteak, Pfannengemüse mit Röstkartoffeln und hinterher eine große Portion Eis.
Das Schiff rollt jetzt stark im Schwell.
Geh ich eben wieder auf die Brücke. Das Wetter ist ja richtig schön, ich war grad an Deck. Da könnte man fast eine kurze Hose anziehen. Nur ein Bisschen Fahrtwind und ca. 25 Grad in der Sonne.
Ich finde immer neue Wege, um auf meine Kammer zu kommen. Weil es hier nicht nur das Treppenhaus, sondern auch Außentreppen gibt. Ich hätte mal besser den Kleinen Bluetooth Lautsprecher mitnehmen sollen, da die Ohrstöpsel auf die Dauer etwas lästig sind.
Jetzt kommen die Spaghetti wieder ins Spiel. Ich war grad essen, fast food menu.
Cheeseburger, Pommes Frites und eine Kelle Spaghetti. War geschmacklich gut, aber warum ist das Essen immer fast kalt?
Vor unserem Schiff springen jetzt Delfine rum, ganz viele aber leider zum Fotografieren zu weit weg.
Lt. 1. Offizier erreichen wir Dublin morgen Mittag und liegen dann über Nacht.

Tag 5 Montag, 7.09.2026

Es ist 0:50 Uhr wir werfen Anker vor dem Hafen von Dublin. Ich muss jetzt wieder in meine Koje.
7:00 Uhr wir können noch nicht an die Pier. Ich geh jetzt erstmal Kaffeetrinken. Von der Messe bis zur Brücke sind es 9 Decks. Da renn ich mehrmals hin und her, sportlich sportlich. Ich habe die Telefonnummern mit dem Kapitän ausgetauscht. Heute ist Landgang. Wir können erst um 16:00 Uhr festmachen. Auf unserem Platz liegt noch ein anderes Schiff. 15:00 Uhr Anker auf.
17:00 Uhr wir sind an der Pier festgemacht. Da die Mannschaft mit der Schiffsbeladung beschäftigt ist, hat niemand Zeit mich zum Gate zu bringen. Etwa in einer Stunde kann ich los. Dann ist es 18:30 Uhr Bordzeit, in Dublin ist es 17:30 Uhr aber für uns gilt die Bordzeit.
Ausgerechnet jetzt, wo ich los will, regnet es stark. Trotzdem – auf geht’s.

Tag 6 Dienstag, 8.09.2026

Was für ein geiler Abend. Es ging schon los als ich den Hafen verlassen wollte, da muss man sich ja am Gate abmelden, sonst kommt man nicht mehr rein. Der Mann am Gate wollte mir ein Taxi rufen, aber es war keines verfügbar. Der hat übrigens zum ersten Mal erlebt, dass es auf Frachtschiffen Passagiere gibt. Da haben wir doch gleich mal ein Bisschen geplaudert.
Er meinte, dass seine Schicht gleich zu Ende sei und wenn ich warten möchte, kann er mich in die Stadt bringen. Das habe ich doch gerne angenommen.
Jetzt habe ich mir erstmal die Livecam in Temple Bar gesucht und Muddi nach Hause zugewunken. Danach war ich bei einem Italiener essen. Das war es richtig gut aber sauteuer. Muddi hat am Telefon gemeint, dass ausgerechnet Rotterdam und Dublin zu den teuersten Städten in Europa zählen. (ich hab es gemerkt)
Dann war ich im Temple Bar Pub. Voll wie Sau, und nur drängelnde und laute Touristen.
Ich hab dann einen Eingeborenen nach einem etwas gemäßigteren Pub gefragt und bin tatsächlich fündig geworden. Mit Livemusik und einigen Guinness war der Abend dann gerettet. Um 23:00 Uhr war ich wieder an Bord.
Jetzt hab ich nach dem Frühstück noch ein kleines Nickerchen gemacht, und die Welt ist wieder in Ordnung.
Die Sonne scheint wieder es hat eigentlich schon gestern Abend aufgehört zu regnen. In Dublin wurde der Kapitän gewechselt. Wir fahren einen merkwürdigen Kurs in Richtung Waterford Der Kapitän meinte wir können nicht vor 18:00 Uhr an die Pier und müssen Zeit schinden zum ankern ist es hier zu tief deshalb kreuzen wir. Es geht den River Suir hoch und um 18:00 Uhr sind wir fest an der Pier. Da ich gestern meine Reisekasse recht strapaziert habe bleibe ich heute zuhause. Außerdem ist es Windig und regnet alle viertel Stunde. Aber nicht von oben, sondern von der Seite.

Tag 7 Mittwoch, 9.09.2026

Leinen los um 4:00 Uhr früh, danach noch ein kleines Nickerchen bis zum Frühstück.

Heute haben wir hohen Schwell (Dünung) und das Schiff rollt durch die See, rolling home. Ich unterhalte mich viel mit dem 1.Offizier und dem Kapitän, der ganz aus dem Norden Russlands kommt wo es im Winter nur 3 Std hell ist.
Im Moment hat der Schwell etwas nachgelassen und wir laufen ab Land´s End wieder Kurs Ost.
Zu Abend gab es heute Spareribs, sehr lecker. Wir fahren so ruhig wie ein Kreuzfahrtschiff.
Jetzt hätte ich echt Bock auf einen Schlummertrunk, aber wir haben nicht einmal alkoholfreies dabei. Hier gibt es nur Kaffee oder Wasser (ein Jammer).

Tag 8 Donnerstag, 10.09.2026

Letzter Tag auf See. Das Wetter ist schön, habe bereits gefrühstückt. Ruhige See aber es ist viel Verkehr.
Offensichtlich sind wir wieder auf Schleichfahrt, gerade mal 12,2 kn wir könnten aber 19 kn.
Ach ja, nach einer Woche habe ich es auch durchblickt, dass man hier morgens zwischen 07:00 – 08, mittags von 11:00 – 12:00 und abends 17:00 bis 18:00 Uhr isst. Da wundert es mich jetzt nicht mehr warum mein Essen immer fast kalt war.
Heute war ich um 11:00 in der Messe und es gab Shrimps mit Reis und Gemüse, das war sehr lecker und auch noch warm.
So, es ist halb 5:00 Uhr, wir sind kurz vor Rotterdam. Bis wir im Hafen sind wird es sicher noch ein paar Stunden dauern. Ich fang schonmal an zu packen, dann brauch ich das morgen nicht zu tun.
Termin mit Driving4U ist vereinbart
Dann kann es morgen nach Hause gehen.

Fazit: Für jemanden der die Seefahrt liebt, der Kontaktfreudig ist und der nicht alles auf die Goldwaage legt, ist das eine geniale Art zu Reisen. Vielen Dank an die Agentur Internationale Frachtschiffreisen Pfeiffer GmbH die das möglich gemacht haben.