Reisebericht

Frau Z. gibt einige praktische Tipps aus eigener Erfahrung

Liebe Frau Pfeiffer,
vielen Dank für Ihre Unterstützung und Ihre informativen Unterlagen, die mir bei der Reisevorbereitung sehr geholfen haben. Hier ist mein Reisebericht, der vielleicht anderen Interessenten bei der Reisevorbereitung hilft.

Für wen eignet sich die Reise mit einem Frachtschiff?
Wer eine Schiffsreise sucht ohne großes Brimborium, nur allein sein will mit sich und dem Meer ist auf einem Frachtschiff richtig. Ob die Frachtschiffreise ein Erfolg wird oder nicht, hängt vom Passagier selbst ab. Man sollte in der Lage sein, sich selbst beschäftigen zu können.

Ich glaube, bei einer Reise mit dem Frachtschiff ist es ganz wichtig, sich bewusst zu machen, dass man sich nicht auf einer Kreuzfahrt befindet und die Crew somit nicht für die Unterhaltung der Passagiere zuständig ist.
Um sich unterhalten zu können, sind gute Englischkenntnisse sehr hilfreich. Die Hauptsache ist aber, dass man sich traut zu sprechen. Auf der „Elbtrader“ war kein Muttersprachler des Englischen dabei, wir alle haderten mit den Vokabeln und der Grammatik. Soweit ich weiß, sprach auf der „Elbtrader“ auch niemand Deutsch, obwohl das Schiff einer deutschen Reederei gehörte.

Ein Frachtschiff ist auch kein Kreuzfahrtschiff. Es gibt Bereiche, die während des Be- und Entladens nicht betreten werden dürfen. Außerdem war beim An- und Ablegen das untere Deck für mich tabu, weil der Aufenthalt dort durch die anziehenden Taue zu gefährlich gewesen wäre.

Die Reisevorbereitung- welche Kleidung benötige ich?
Meine Übergangsjacke, ein wenig gefüttert mit Polyesteroberfläche, hat vollkommen ausgereicht. Wenn es kalt wurde, habe ich sie mit einer Weste ergänzt. Für eine teure Funktionsjacke ist ein Frachtschiff meiner Meinung nach nicht das richtige Umfeld. Zum einen wäre mir damit sehr fehl am Platz vorgekommen, denn die Crew hatte ja auch nur den ganzen Tag entweder Arbeitsoveralls an oder einfache, legere Sportsachen; selbst auf der Brücke trugen Kapitän und Offiziere eher legere Kleidung. Außerdem muss man damit rechnen, dass die Kleidung durch Farbflecke oder Öl von den Maschinen dreckig wird.
Es gab im Prinzip drei Punkte, an denen der Fahrtwind richtig unangehm wurde: an den Füßen, der Körpermitte und am Kopf. Jacken und Westen sollten über die Hüfte gehen, um die Körpermitte zu schützen. Um den Hals hatte ich immer ein dickes Tuch, für den Kopf eines dieser Bandages, die man als Stirnband oder als so eine Art Skimütze tragen kann. Geschlossene Schuhe mit rutschfesten Sohlen sind ein Muss, da es auch bei ruhigen Seegang auf den Decks nasse Stellen gab.
Eine hervorragende Investition war meine Regenhose. Sie nahm im Koffer kaum Platz weg und half prima gegen den Fahrtwind.
Bei der Planung der Kleidung sollte man außerdem bedenken, dass man sich bei einem Sturm oder heftigen Regen wohl kaum draußen aufhalten würde, sondern die Zeit wahrscheinlich im Aufenthaltsraum oder auf der Brücke verbringt.
Nicht vergessen: die gelbe Warnweste für die An-und Abreise durch die Häfen. Überall kreuzen LKWs den Weg, die Containerkräne rangieren am Schiff hin und her. Es ist sehr wichtig, gesehen zu werden. Eigene Wege für Fußgänger habe ich nur in Dublin gesehen auch dort nicht überall.

Wie verlief die Reise vor der Einschiffung?
Die Anreise zum Schiff klappte prima. Zuerst ging es vom Hotel aus mit dem Wassertaxi zum Immigration office. Das Immigration Office ist eine kleine Polizeistation. Dort kopierte ein junger freundlicher Beamter meinen Ausweis und registrierte mich auf der Passagierliste. Der ganze Akt dauerte keine fünf Minuten. „Are you passenger or crew?“ Die Frage fand ich dann doch ganz süß. Ich hätte nicht gedacht, dass man mich für ein Crewmitglied halten könnte.
Registrieren kann man sich übrigens nur an dem Tag, an dem man auch einschifft. Einen Tag vorher das Immigration Office aufzusuchen, so wie ich es tat, bringt nichts. Man wird nicht registriert, selbst wenn das Schiff bereits im Hafen ist.

Vom Hotel holte mich der Shuttleservice ab und brachte mich direkt zum Schiff. Wir brauchten eine Weile, um die „Elbtrader“ im riesigen Industriehafen überhaupt zu finden.

Wie ging es weiter?
Ich bin als Frau, 36, ohne Begleitung mit der „Elbtrader“ von Rotterdam nach Dublin und zurück gefahren. Auf dem Schiff kam dann die Stunde der Wahrheit: wie befürchtet, war ich die einzige Passagierin und die einzige Frau an Bord, allein mit 12 Mann Besatzung. Das Frachtgeschäft scheint eine „Men’s World“ zu sein, denn selbst in beiden Häfen bekam ich nur Männer zu Gesicht. Dennoch- ich fühlte mich zu jeder Zeit sicher. Jeder auf dem Schiff ging sehr respektvoll und gentlemanlike mit mir um. Ich wurde sehr freundlich begrüßt. Die meisten Crewmitglieder schienen froh zu sein über ein neues Gesicht auf dem Schiff und etwas Abwechslung von ihrem doch etwas tristen Alltag. Mir wurden viele Fragen gestellt, und meine Fragen wurden ausführlich und gerne beantwortet. Jetzt kann ich zum Beispiel gefüllte von leeren Containern unterscheiden, das ist eigentlich ganz einfach. Oder an Hand der Temperatur erkennen, womit die Kühlcontainer geladen sind.

Der Kapitän begrüßte mich auf der Brücke. Er erlaubte mir, die Brücke jederzeit betreten. In den kommenden Tagen lernte ich vom Kapitän und und vom 2. Offizier viel über das Schiff und die Schiffahrt an sich. Der Kapitän hatte sichtlich richtig Spaß daran, mir auf dem Radarschirm den Kurs des Schiffes zu erklären. Voller Stolz beschrieb er mir zum Beispiel auch die Funktionsweise der Wasserwiederaufbereitsungsanlage des Schiffs. Die „Elbtrader“ kann circa 40 Tonnen Trinkwasser selbst produzieren, Wasser zu sparen wie ich das von Segelschiffen her kannte war also nicht nötig. Kleiner Tipp: es lohnt sich, herauszufinden, warum der Kapitän der „Elbtrader“ keinen Lotsen („pilot“ auf Englisch) für die Hafenein- und ausfahrten anfordert.

Ich kam gerne jeden Abend, wenn es draußen kalt wurde, auf die Brücke. Diese Stunden, mit dem Meer unter mir, den Positionslichtern der anderen Schiffe vor und den Sternen über mir, waren die schönsten der ganzen Reise.
Manuela Z.
26.08 bis 01.09.2016 auf der „Elbtrader“ von Rotterdam nach Dublin und zurück

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